Junge grüne Pflanze in einem mit Münzen gefüllten Glas.

Bericht des Bürgermeisters auf der Gemeinderatssitzung in Dahrendorf am 02.11.2026

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Am 2. November 2026 tagte der Gemeinderat der Gemeinde Dähre im Dorfgemeinschaftshaus Dahrendorf. In meinem Bericht des Bürgermeisters habe ich die Diskussion über Windkraft und Photovoltaik mit einer Frage verbunden, die über einzelne Vorhaben hinausgeht: Welche finanzielle Grundlage braucht unsere Gemeinde, um auch künftig selbst gestalten zu können? Dabei geht es um eine politische Abwägung zwischen zusätzlichen Einnahmen und den Veränderungen, die solche Anlagen für unsere Landschaft und unsere Ortsteile bedeuten. Im Folgenden dokumentiere ich meinen Bericht im Wortlaut.


Liebe Mitglieder des Gemeinderates, werte Bürgerinnen und Bürger, liebe Gäste,

ich möchte heute einen Gedanken zur Entwicklung unserer Gemeinde aufgreifen, der für mich angesichts der aktuellen Entscheidungen von besonderer Bedeutung ist.

Wir sprechen viel über Windkraftanlagen und Solarparks. Über Standorte, Flächen, Abstände und die Auswirkungen auf unsere Landschaft. Das sind notwendige Diskussionen. Aber ich glaube, wir müssen sie um eine grundlegende politische Frage erweitern: Welche finanziellen und damit auch politischen Handlungsspielräume wollen wir für unsere Gemeinde in Zukunft schaffen?

Die finanziellen Rahmenbedingungen werden schwieriger. Die Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf hat ihre Umlage für 2026 von 43 auf 55 Prozent angehoben. Das belastet die Mitgliedsgemeinden. Zugleich werden die Aufgaben vor Ort nicht weniger.

Wir wollen unsere Straßen und Gebäude erhalten, unsere Vereine unterstützen, unsere Ortsteile lebendig halten und auch künftig eigene Projekte verwirklichen. Aber all das setzt finanzielle Mittel voraus.

Ohne eine ausreichende finanzielle Grundlage wird kommunale Selbstverwaltung zunehmend zur Verwaltung des Mangels. Dann entscheiden wir irgendwann nicht mehr darüber, was wir für unsere Gemeinde gestalten wollen, sondern nur noch darüber, worauf wir verzichten müssen.

Genau deshalb haben erneuerbare Energien für mich auch eine kommunalpolitische und wirtschaftliche Bedeutung.

Windkraft- und Photovoltaikanlagen können unserer Gemeinde über Jahrzehnte zusätzliche Einnahmen ermöglichen. Das Beteiligungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt schafft dafür eine Grundlage. Und diese Mittel können uns helfen, eigene Prioritäten zu setzen und Entwicklungen anzustoßen, die wir aus unseren bisherigen Einnahmen möglicherweise nicht finanzieren könnten.

Natürlich haben diese Chancen ihren Preis.

Windkraftanlagen verändern Horizonte. Solarparks nehmen Flächen in Anspruch und verändern das Landschaftsbild. Wir sprechen über Anlagen, die mindestens zwanzig Jahre, vielfach deutlich länger, sichtbar und Teil unserer Umgebung sein werden. Für manche Menschen ist das eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer vertrauten Heimat. Diese Sorgen nehme ich ernst.

Aber Politik bedeutet, zwischen Interessen abzuwägen, die sich nicht vollständig miteinander vereinbaren lassen. Es wird nicht immer eine Lösung geben, bei der wir zusätzliche Einnahmen erhalten, ohne Veränderungen in Kauf nehmen zu müssen.

Und hier möchte ich meine eigene Position deutlich machen: Ich gebe der langfristigen finanziellen Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde ein erhebliches Gewicht. Ich bin grundsätzlich bereit, dafür auch sichtbare Veränderungen unserer Landschaft durch erneuerbare Energieanlagen in Kauf zu nehmen.

Nicht um jeden Preis. Nicht an jedem Standort. Und nicht ohne sorgfältige Prüfung der Auswirkungen auf die Menschen, die Natur und unsere Ortsteile.

Aber ich halte es ebenso für problematisch, wenn wir aus Sorge vor Veränderungen wirtschaftliche Möglichkeiten ungenutzt lassen, die unserer Gemeinde über Jahrzehnte zugutekommen könnten.

Denn auch der Verzicht hat Folgen. Vielleicht weniger sichtbar als eine Windkraftanlage oder ein Solarpark. Aber spürbar, wenn Investitionen ausbleiben, kommunale Einrichtungen nicht erhalten werden können oder uns das Geld für eigene Ideen fehlt.

Für mich ist deshalb die entscheidende Frage nicht, ob erneuerbare Energieanlagen unsere Gemeinde verändern. Das werden sie.

Die entscheidende Frage ist, ob die damit verbundenen langfristigen Einnahmen und Entwicklungsmöglichkeiten die Veränderungen und Belastungen rechtfertigen.

Diese Abwägung müssen wir für jedes Vorhaben sorgfältig und nachvollziehbar treffen. Dazu gehören belastbare Verträge, wirtschaftlich leistungsfähige Betreiber und die Gewissheit, dass die versprochenen Vorteile tatsächlich bei unserer Gemeinde ankommen.

Ich wünsche mir, dass wir diese Diskussion nicht ausschließlich als Streit über einzelne Anlagen führen, sondern als Entscheidung darüber, welche Zukunft wir Dähre ermöglichen wollen.

Denn kommunale Selbstverwaltung bedeutet für mich nicht nur, das Vorhandene zu bewahren. Sie bedeutet auch, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir morgen noch selbst gestalten können.

Vielen Dank.

Foto von micheile henderson auf Unsplash

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